Majolika, ein Theaterspiel in wie vielen Akten?

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Rolle vorwärts, Rolle rückwärts …

Nachdem vor 10 Tagen die Information die Runde machte, dass die Gröner-Group wegen eines kritischen Zeitungsartikels die Majolika nicht mehr übernehmen wolle und der Betrieb der Manufaktur abgewickelt werde, überrascht uns nun eine entgegenlautende Mitteilung von OB Mentrup aus dem Rathaus. Er habe sich mit Herrn Gröner persönlich getroffen, der sich nun persönlich um die Sache kümmern wolle und die Weiterbeschäftigung der Mitarbeiter*innen zusichere. Auch das Interesse an einer Übernahme der Immobilie bestehe, entgegen anderslautender Ansagen aus dem Unternehmen, fort.

 

Die Fraktion DIE LINKE fragt: Wie weit wollen sich die Stadtverwaltung, OB Frank Mentrup, die Bürgermeister*innen Herr Käuflein und Frau Luczak-Schwarz und wie weit will sich der Gemeinderat noch auf den Tanz mit diesem Investor und seiner Firmengruppe einlassen? Es ist eine (traurige) Posse, die seit dem Verkauf des Majolika-Betriebs an die Gröner-Family-Group im letzten Sommer aufgeführt wird.

Nach allen Informationen aus der Majolika wurde bereits mit der Übernahme des Betriebs die Produktion und die Bildungsarbeit, als wesentliche Aufgaben der Majolika, Schritt für Schritt abgewickelt. Aufträge wurden nicht mehr weiter ausgeführt, die Bildungsarbeit zurückgefahren und alte Seminarräume samt Einrichtung aufgelöst. Zuletzt war weder für Mitarbeiter*innen noch für Interessierte von außen ein Ansprechpartner vor Ort. Das wurde im Rathaus offenbar nicht wahrgenommen.

 

Jetzt kommen OB Mentrup und Herr Gröner persönlich zusammen und alles wird wieder gut? Die LINKE-Gemeinderatsfraktion geht nicht davon aus. Die aktuelle Mitteilung von OB Mentrup lässt aufhorchen: Herr Gröner habe Wert daraufgelegt, dass vereinbarte Konditionen zur Übernahme der Immobilie eingehalten würden. OB Mentrup erläutert dagegen, dass es solche Konditionen nicht gegeben haben kann, da die Stadt am Verkauf nicht beteiligt gewesen sei. Das klingt wenig erfolgsversprechend.

Warum sollte nun ein weiterer Akt des Stückes mit der Gröner-Group eröffnet werden? Wann ist die zweifelhafte „gelebte“ Praxis eines Unternehmens ausreichend für die Beendigung von Geschäftsbeziehungen? Besteht im Rathaus die Sorge, dass mit einem Rückzug der Gröner-Group aus der Majolika der ganze Scherbenhaufen eines falschen städtischen Ansatzes für die Majolika zum Vorschein kommt? Und wird deshalb weitergewurschtelt und von den Gemeinderät*innen auf ein Konzept von Herrn Gröner im gemeinderätlichen Begleitgremium Majolika nächste Woche gewartet?

 

Die Fraktion DIE LINKE fordert: Die Zusammenarbeit mit der Gröner-Group sollte einzig dazu genutzt werden, eine Rückabwicklung des Verkaufs des Majolika-Betriebs zu tragfähigen Konditionen in die Wege zu leiten. Und gesetzt, dies wäre möglich, sollte die Stadt den Betrieb übernehmen, nicht die Majolika-Stiftung, die offensichtlich bislang überfordert war.

 

Parallel müsste die Planung für die Zukunft der Majolika dieses Karlsruher Aushängeschildes unter neuen Vorzeichen angegangen werden.

 

1. Eine Zielkonzeption müsste entwickelt werden und könnte sich aus unserer Sicht (u.a.) mit folgenden Grundideen befassen:

  • Eine Fortführung der Produktion der Manufaktur sollte sichergestellt werden.
  • Ein Ausbau – nicht Abbau - der Bildungs- und Forschungsarbeit – und dies möglichst in enger Zusammenarbeit oder sogar unter Federführung von HfG, Kunstakademie und/oder der PH sollte unter Einbeziehung der betreffenden Institutionen ermöglicht werden.
  • Ausstellungsflächen der Manufaktur könnten auch der städtischen freien Kunstszene zur Nutzung überlassen werden.
  • Weitere Flächen könnten als zusätzliche Atelierräume dienen.

2. Eine Organisationsstruktur müsste entwickelt werden, die den Inhalten Rechnung trägt. Weiter auf die Majolika-Stiftung zu setzen, wird nicht weiterhelfen, Ziele im Sinne der Stadtgesellschaft zu erreichen. Das Schielen auf Herrn Gröner oder einen anderen privaten Investor kann aus Sicht der LINKEN-Fraktion ebenfalls keine Lösung bringen. Die Stadt muss sich von einem klassischen Investorenmodell verabschieden und sollte externe Fachleute hinzuziehen, die inhaltliche und strukturelle Vorschläge zu Organisation und Konzeption entwickeln können.

Das Modell der Offenbacher Porzellanmanufaktur, die unter Federführung der dortigen Hochschule für Gestaltung weiterbetrieben wird, könnte als ein Beispiel angeschaut werden.

3. Eine tragfähige Finanzplanung, mit möglichst geringer Belastung für die Stadt, müsste entwickelt werden. In Hessen gibt es eine Mitbeteiligung des Landes. Vielleicht könnte ähnliches in Baden-Württemberg möglich sein?

In den letzten Haushaltsverhandlungen haben wir außerdem von OB Mentrup gehört, dass zukünftig im Kulturbereich Mäzene für kulturelle Projekte gesucht würden. Vielleicht könnte die Stadt für den Weiterbetrieb der Majolika in diesem Sinne und damit auch für die Stadtgesellschaft tätig werden? Vielleicht möchte gar Herr Gröner zukünftig als selbstloser Mäzen die Majolika in Karlsruhe unterstützen und seinem Wirken als Investor eine neue Facette hinzufügen?

 

Die Fraktion DIE LINKE fordert die Verantwortlichen der Stadt Karlsruhe auf, die Entwicklung der Majolika zu einem „Haus der Kunst und Kultur“ für die Karlsruher Stadtgesellschaft neu zu denken und auf den Weg zu bringen.