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Interfraktioneller Antrag: Gemeinwohl-Bilanzen für eine nachhaltige, ökologische und soziale Wirtschaft beispielhaft für eine städtische Gesellschaft und ein städtisches Amt erstellen

1.Bilanzierungsphase: Die Stadtverwaltung wählt eine städtische Gesellschaft aus, für die zunächst eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt wird. Die Stadtverwaltung wählt ein Amt aus, für das ebenfalls erstmalig eine Gemeinwohl-Bilanz erstellt wird.
2. Externe Begleitung und Audit: Ein*e Gemeinwohl-Berater*in wird von der Verwaltung beauftragt, die Erarbeitung der Gemeinwohl-Bilanzen für eine städtische Gesellschaft und ein städtisches Amt zu begleiten und zu auditieren.
3. Die Stadtverwaltung prüft, welche Finanzierungs-/Fördermöglichkeiten vom Bund oder vom Land für die zwei genannten Punkte des Antrages bestehen.


Sachverhalt / Begründung:


Der Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Corona Krise soll durch einen Umbau des Wirtschaftssystems hin zu mehr Nachhaltigkeit, Krisensicherheit und Klimaschutz geprägt sein. Auch die Stadt ist eine wirtschaftliche Akteurin, einerseits durch ihre Gesellschaften und andererseits durch ihre Verwaltungstätigkeit, z. B. durch Dienstleistungen im Rahmen der Daseinsvorsorge und in der Vergabe von Aufträgen. Die „Gemeinwohl-Bilanz“ stellt ein passendes Werkzeug dar, um aufzuzeigen, in welchem Umfang die Gemeinwohlorientierung besteht, bzw. in welchen Bereichen sie erhöht werden kann. Für eine erste vollständige Bilanzierung ist bei einem Amt oder einer Gesellschaft notwendig, dass in der Führungsebene eine hohe Motivation für die Umsetzung der Gemeinwohlbilanzierung besteht.
Mit diesem Antrag wollen die antragstellenden Fraktionen eine werte-orientierte, ethische Wirtschaftsweise fördern.


Zu Punkt 1 Bilanzierungsphase Der erste Schritt, die „Gemeinwohl-Bilanz“ stellt eine Momentaufnahme des nachhaltigen Engagements des Unternehmens dar. Das Ziel von städtischen Gesellschaften, sowie des Verwaltungshandelns, sollte die Mehrung des Gemeinwohles der Menschen in Karlsruhe und der Region sein. Das Gemeinwohl wird vor allem durch drei Faktoren gewährleistet: soziale Gerechtigkeit, ökologische Nachhaltigkeit und demokratische Strukturen.
Die „Gemeinwohl-Bilanz“ ist ein Instrument und eine erprobte Methode, um wirtschaftliche Akteur*innen anhand dieser drei Faktoren zu vergleichen, deren ökologischen und sozialen Beitrag zum Gemeinwohl zu bewerten und Potenziale zur Weiterentwicklung aufzuzeigen und die Wirtschaft und Gesellschaft resilienter zu machen.
Ergänzende Erläuterungen:
Im Gemeinwohl-Bericht zeigt ein Betrieb (d.h. Gesellschaft oder Amt) die Anstrengungen und Veränderungen in Bezug auf diese Faktoren auf. Mit einem Punktesystem wird darauf basierend der Zielerreichungsgrad in den einzelnen Feldern bewertet. Aus der Summe ergibt sich die „Gemeinwohl-Bilanz“. Die*der Gemeinwohl-Berater*in, eine externe Kraft, die*der den Betrieb auditiert, gibt darüber hinaus Anregungen, mit welchen Maßnahmen sich andere Betriebe verbessern konnten, und wo darüber hinaus Verbesserungspotenzial besteht.
Nach der Bilanzierungsphase sollen die Prozesse in den Unternehmen entsprechend der Nachhaltigkeitskriterien und gemäß den Empfehlungen aus dem GWÖ-Bericht/-Audit weiter verbessert werden.


Zu Punkt 2: Externe Begleitung und Audit Ein Prozess zur Erstellung einer Gemeinwohl-Bilanz ist nur sinnvoll, wenn er durch eine*n Gemeinwohl-Berater*in begleitet wird. Die hierfür nötigen Kosten und bestehende Fördermöglichkeiten werden ebenso ermittelt, wie bestehende Fördermöglichkeiten. Nach der Bilanzierungsphase ist zu entscheiden, ob es für eine dauerhafte Etablierung dieses Bewertungsprozesses eine Stelle zur Know-How-Sicherung und Transfer eingerichtet wird.


Zu Punkt 3: Mögliche Förderungsmöglichkeiten für Sach- und Personalkosten bestehen bei verschiedenen Trägern, wie beispielsweise: - www.engagement-global.de - kommunal.engagement-global.de/global-nachhaltige-kommune.html
Weitere Vorteile und Fazit Durch ein Engagement im Bereich Gemeinwohl-Ökonomie lässt sich aus Sicht der Antragsteller*innen nicht nur das Gemeinwohl im Allgemeinen fördern. Die Stadt Karlsruhe könnte ihr Engagement als soziale und ökologische Kommune stärker nach außen tragen und zur treibenden Kraft für gesellschaftspolitische Entwicklungen und zukunftsweisender nachhaltiger Wirtschaftspolitik werden. Dadurch würde Karlsruhe als Standort für Privatpersonen und Unternehmen mit gleichen Zielen besonders interessant.
Zahlreiche bilanzierte Unternehmen berichten von erheblichen Vorteilen bei der Personalgewinnung, einem Imagegewinn und höherer Wertschätzung bei Kund*innen und Lieferant*innen.
Gerade Aufsichtsrät*innen profitieren von der zusätzlichen Transparenz einer „Gemeinwohl-Bilanz“. Durch die Auditierung haben sie die Möglichkeit, die Aktivitäten ihres Betriebes besser einzuordnen und zu beeinflussen.


Weitere Infos: „Gemeinwohl-Gemeinde werden“: https://www.ecogood.org/de/unsere-arbeit/gemeinwohl-bilanz/gemeinden/
https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/markt/video-wirtschaften-fuers-gemeinwohl-100.html
https://www.euractiv.de/section/finanzen-und-wirtschaft/interview/christian-felber-aus-der-corona-krise-in-die-gemeinwohl-oekonomie/


Unterzeichnet von:
Aljoscha Löffler
Christine Weber
Parsa Marvi
Michael Zeh
Ergänzende Erläuterungen Seite 3
Lukas Bimmerle
Karin Binder